Die Große Brennnessel (Urtica dioica L.) ist eine wahre Alleskönnerin mit vielfältigem Nutzen. Ihre Blätter, Samen und Wurzeln sind reich an wertvollen Nährstoffen wie Vitamin C, Eisen und Chlorophyll und finden in der Küche Verwendung für Tees, Suppen, Spinat oder als Gewürz. Gleichzeitig wurde sie in der Volksheilkunde aufgrund ihrer Inhaltsstoffe traditionell bei Stoffwechsel- und Entwässerungskuren eingesetzt und galt als wohltuend bei Beschwerden, die mit Entzündungen in Verbindung gebracht wurden. Die Brennnessel ist zudem eine ökologische Schatzkammer, die Lebensraum und Nahrung für zahlreiche Insekten und Vögel bietet. Darüber hinaus wird sie als natürliche Lebensmittelfarbe und in der traditionellen Fischkonservierung genutzt. Ein vielseitiges Geschenk der Natur!

Botanische Eigenschaften

Botanischer Name: Urtica dioica L.
Familie: Brennesselgewächse (Urticaceae)
Alternative Namen: Gemeine Brennnessel, Hanfnessel, Feuerrute, Nessel

Merkmale

Wuchshöhe: 50-150 cm
Wuchsform: Aufrecht, krautig und mehrjährig
Blätter: Eiförmig bis lanzettlich, gesägt, mit Brennhaaren bedeckt
Blüten: Grünlich, unscheinbar, in hängenden, rispenartigen Blütenständen
Wurzel: Kriechendes, verzweigtes Rhizom
Blütenzeit: Juli bis Oktober
Früchte: Kleine, unscheinbare Nüsschen

Vorkommen

Standort: Bruch- und Auenwälder, nährstoffreiche Stauden- und ausdauernde Unkrautfluren, Laub- und Tannenwälder mittlerer Standorte
Bodenansprüche: nährstoffreiche, humusreiche und gut durchlüftete Böden. Feuchte bis frische Standorte mit neutralem bis leicht saurem pH-Wert.
Verbreitung: Europa, Asien, Amerika

Rote Liste: Ungefährdet
Aktuelle Informationen findest du hier auf der Roten Liste Deutschlands.
Eine interaktive Karte zur Verbreitung in Deutschland findest du auf FloraWeb.

Verwendung als Nahrungsmittel

Dank der vielen Inhaltsstoffe der Brennnessel ist sie ein gern gesehenes und sehr gesundes Lebensmittel in der Küche. Der Geschmack ist angenehm mild, aber auch sehr eigen. 

Die große Brennnessel am Wegesrand mit Samenstand im August

Blätter

Die Blätter bzw. junge Triebe lassen sich hervorragend wie Spinat zubereiten. Man kann sie roh im Salat essen, oder in Kräuterbutter oder Kräuterkäse verwenden. Außerdem eignet sie sich als Gewürz und kann als Tee aufgegossen werden. 

Ältere Blätter werden im Vergleich zu den jungen Trieben herber und bitterer im Geschmack. Um die Bitterstoffe ein wenig zu reduzieren, kann man sie in Wasser einweichen, oder kurz blanchieren. Für Tee eignen sie sich noch gut.

Die jungen Blätter und Wurzeln lassen sich als Milchgerinnungsmittel zur Herstellung von Käse verwenden. Traditionell wurde dies in Großbritannien und Teilen von Skandinavien gemacht. Die Ergebnisse sind aber langsamer und nicht immer funktioniert es einwandfrei. 

Geerntet werden sie am Besten zwischen März und Juni. 

Samen

Die Samen können geröstet oder roh gegessen werden. Einfach über Salate geben, oder in einen Joghurt rühren. Auch auf dem Brot als Belag sind sie hervorragend geeignet.

Geröstet bekommen sie ein nussiges Aroma. Man kann sie über Suppen oder Gemüsegerichte streuen.

Sie enthalten viele wichtige Fettsäuren, Minerale und Proteine und einfach ins Essen gerührt bemerkt man sie kaum. Sehr vorteilhaft bei kleinen Kindern, die kein Gemüse essen wollen.

Inhaltsstoffe:

Vitaminpro 100g
Vitamin C333 mg
Vitamin A400 μg
Vitamin B1200 μg
Vitamin B2150 μg
Vitamin B3800 μg
Vitamin E800 μg
Eisen41 mg
Kupfer1,3 mg
Mangan8,2 mg
Chlorophyll, Zucker, Porphyrine, Sitosterin

Traditionelle Heilpflanzenkunde

Die Brennnessel wird seit jeher bei Harnwegserkrankungen mit der Blase und der Niere geschätzt, da ihr eine harntreibende Eigenschaften zugeschrieben wird.

Blätter: In der traditionellen Kräuterheilkunde wurde Brennnesseltee häufig zur Unterstützung der Nierenfunktion und des Stoffwechsels getrunken. Bitterstoffe galten als verdauungsfördernd. Zudem wurde der Tee von Hebammen früher als milchbildend beschrieben und zur Blutreinigung im volkstümlichen Sinn empfohlen.

Äußerlich wurde die Pflanze in der Volksmedizin für Umschläge und Waschungen bei verschiedenen Hautproblemen genutzt. Auch bei Gelenkbeschwerden und in Haarpflegeroutinen fand sie traditionell Anwendung. Lies hier mehr zu dem Thema: Brennnessel bei Hautproblemen wie Falten und Akne.

Samen wurden früher als kräftigendes Nahrungsmittel geschätzt und galten in manchen Regionen als Aufbaukost nach Erkrankungen.

Wurzel: Ein Tee aus der Wurzel wurde in der traditionellen Pflanzenkunde bei Blasen- und Prostatabeschwerden eingesetzt. Ihm wurden entspannende und ausgleichende Eigenschaften zugeschrieben. 

Weiterer Nutzen der großen Brennnessel

Es gibt noch viele weitere Nutzen neben der Ernährung und der Heilung. 

Färben

Aus dem Kraut ohne Wurzel kann man ein Gelb und in einer zweiten Färbung ein Grün gewinnen, welches man einmal zur Färbung von Stoffen und Lebensmitteln verwenden kann. Die Farbe Grün kommt vor allem aus dem Chlorophyll in den Blättern, welches sich durch Kochen mit Eisensulfat und ausziehen gewinnen lässt.
Heute ist der Farbstoff aus Chlorophyll unter der Nummer E140 zugelassen für die Lebensmittelindustrie.

Kleidung

Im Mittelalter wurde desöfteren auf Brennnesseln als Faserpflanze zurückgegriffen. Es gehört zu den am ältesten bekannten Textilfasern in Europa. Aber auch die Seefahrer schätzten Brennnesselkleidung, denn diese hielt besser warm, wenn sie nass war, als die üblichen Wollmäntel.
Man würde meinen Brennnesselkleidung piekst ganz doll, aber keine Sorge, das tut sie nicht. Der Stoff fühlt sich weich an. Er ist atmungsaktiv und langlebig.
Es gibt ein paar Projekte Brennnesselfasern wieder für die aktuelle Mode zu verwenden.

Papier

Ähnlich wie beim Stoff wurde aus den Fasern auch Papier geschöpft. Das fertige Papier ist widerstandsfähig und hat eine feine Struktur. Sogar ein wenig länger haltbar als Holzpapier und es vergilbt langsamer.

Fisch frisch halten

Wenn man gerade gefangenen Fisch in Brennnesselblätter einwickelt, bleibt dieser länger frisch. Die Blätter wirken leicht antiseptisch und reduzieren den Kontakt zur Luft. Diese Methode wurde häufig beim Angeln oder auf Märkten verwendet, bevor es Kühlmöglichkeiten gab. Man kann es auch bei Käse oder Kräutern anwenden.

Brennnesseljauche

Brennnesseljauche als Flüssigdünger ist so einfach und schnell gemacht. Dazu zerkleinerte Brennnesseln in einem offenen Gefäß mit Wasser ansetzen und 1-2 Wochen warten. Sie ist sehr nährstoffreich. Sie enthält viel Kalium, Stickstoff, Eisen und Spurenelementen. Perfekt für Starkzehrer, wie Tomaten oder Kürbis. Verdünnt kann sie Blattläuse vertreiben.
Gegen den strengen Geruch kann man Gesteinsmehl oder Baldrianblütenextrakt mit hineingeben.

Ökologische Rolle

Die Große Brennnessel ist unglaublich wichtig für viele verschiedene Tiere. Sie bietet Lebensraum für Schmetterlinge und Insekten und Nahrung für Vögel und Kleinsäuger. Einige Schmetterlingsarten würden ohne die Brennnessel nicht existieren.
Desweiteren ist sie ein Stickstoffanzeiger, welche auf nährstoffreiche und fruchtbare Böden hinweist. Sie kann sich vor dem Aufessen von Weidetieren schützen und erhält so ganze Lebensgemeinschaften. Die Brennnessel trägt für ihr Umfelt und zur Biodiversität eine Menge bei.